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Stresssymptome durch Belastungen am Büroarbeitsplatz

Die auf dieser Seite dargestellten Gründe für Stressbelastungen bei Büroangestellten bleiben meist nicht ohne Folgen, sondern lösen verschiedene Stresssymptome aus. Der Beschäftigte nimmt den Arbeitsstress wahr, z.B. in Form von Termindruck, die Stressreaktion wirkt sich psychisch, physisch und im Verhalten aus. Es gibt kurz-, mittel- und langfristige negative Folgen und Reaktionen aufgrund von Stressbelastungen, die sich direkt und indirekt auf die Arbeitsleistung auswirken, Stresssymptome auslösen und somit zu Krankheiten führen können.

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Kurzfristige Stresssymptome

Schon nach kurzer Zeit können psychische Belastungen bei der Arbeit zu Stresssymptomen führen: Es können physiologische Reaktionen in Form von erhöhter Herzfrequenz, Blutdrucksteigerung oder Adrenalinausschüttung, Anspannung, Frustration oder Ärger, aber auch von Ermüdungs-, Monotonie- oder Sättigungsgefühlen auftreten. Häufige Begleiterscheinungen im Verhalten sind Leistungsschwankungen, nachlassende Konzentration und Fehler im Arbeitsvollzug.

Stresssymptome

Die möglichen Stresssymptome können dabei bereits sehr kurzfristig auftreten und es gilt, diese zu erkennen. Man kann die Stresssymptome bzw. die negativen Auswirkungen psychischer Beanspruchungen wie folgt unterteilen:

 

  1. Stresssymptom: Psychische Ermüdung

Vorübergehende Beeinträchtigung der psychischen und körperlichen Funktionstüchtigkeit

Folgen: mehr Zeitbedarf, Bewegungsfehler, Vergessen von wichtigen Informationen

 

  1. Stresssymptom: Herabgesetzte Wachsamkeit

Herabgesetzte Fähigkeit, auf Signale adäquat zu reagieren, häufig bei abwechslungsarmen Beobachtungstätigkeiten

Folgen: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Abnahme von Leistung und Reaktionsfähigkeit

 

  1. Stresssymptom: Monotoniezustände

Herabgesetzte Aktivierung bei lang andauernden, einförmigen, sich wiederholenden Tätigkeiten

Folgen: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Abnahme von Leistung und Reaktionsfähigkeit

 

  1. Stresssymptom: Psychische Sättigung

Nervös unruhevolle Ablehnung einer sich wiederholenden Tätigkeit, Gefühl des Auf-der-Stelle-Tretens oder des Nicht-weiter-Kommens

Folgen: Ärger, Leistungsabfall, sich von einer Aufgabe zurückziehen

 

Ändert sich an den Belastungen bei der Arbeit nichts, können die immer wiederkehrenden psychischen Erschöpfungs- und Ärgerzustände im normalen Rhythmus von Arbeit und Freizeit nicht wieder abgebaut werden und die ersten Stresssymptome zeigen sich. Der Angestellte kann kaum mehr abschalten und empfindet eine starke Nervosität und innere Unruhe. Dieser Zustand, auch Irritation genannt, führt zu chronischen Befindens- und Gesundheitsbeeinträchtigungen.

 

Mittelfristige Stresssymptome

Dies kann mittelfristig zu psychosomatischen Beschwerden, Resignation und Depression führen. Im Verhalten erkennt man Stressbewältigung und stresssymptomedann häufig u.a. einen erhöhten Nikotin-, Alkohol- oder Medikamentenkonsum sowie steigende Fehlzeiten. Neben diesen individuellen Folgen sind auch negative soziale Effekte wie zwischenmenschliche Konflikte oder Rückzug möglich, die ihrerseits neue Probleme mit sich bringen. Hier wird klar, dass es nun sinnvoll wäre, etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen, denn dauern diese Zustände länger an, können sie sich auf das Umfeld, aber auch auf den eigenen Körper auswirken, wie folgende Punkte zeigen:

 

Medizinisch/ -körperliche Stresssymptome

  • Änderung von Blutdruckwerten
  • Änderung der Herzfrequenz
  • Änderungen im Hormonhaushalt
  • Beeinflussung des Nervensystems
  • Beeinflussung des Fett- und Cholesterinspiegels
  • Übergewicht/ Adipositas
  • Folgen von Stoffmissbrauch

 

Bezug zur Außenwelt:

  • Teilnahmslosigkeit
  • resignatives Verhalten
  • innere Kündigung
  • nachlassende Leistungskraft bzw. –willen
  • steigende Fehlerhaftigkeit
  • Aggressionen gegen Kollegen / Vorgesetzte
  • Stoffmissbrauch, z.B. Alkohol

 

Langfristige Stresssymptome

Langfristig kann es so zu Burnout, psychosomatischen Beschwerden (chronische somatoforme oder funktionelle Störungen ohne diagnostizierbaren organischen Befund, die sich u.a. als Kopf-, Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen, Magen- und Verdauungsprobleme und Schlafstörungen äußern) und sehr schneller Ermüdung kommen. Dies stellt für den Büroangestellten einen erheblichen Leidensdruck dar, der seine subjektive Lebensqualität deutlich mindert.

 

Stresssymptome von Büroangestellten

Die nachfolgende Abbildung zeigt, welche der eben genannten Beschwerden bei Büroangestellten am häufigsten auftritt. Hierfür wurde eine Befragung von der GEK explizit bei Büroangestellten durchgeführt.

Stresssymptome

Gesundheitliche Beschwerden, die innerhalb der letzten 12 Monate von mehr als 15 % der Bürofachkräfte als häufig genannt werden (Braun & Müller, 2005, S. 41)

 

Wie auf dem Schaubild zu sehen ist, gibt es mehrere Stresssymptome, die häufig bzw. sehr häufig auftreten. Dies zeigt, dass es bei der Büroarbeit meist nicht nur eine einzige Belastung gibt, die den Angestellten zu schaffen macht, sondern es ist vor allem die Summe der Belastungen, die Mehrfachbelastungen, die bei Bürotätigkeiten als Stressfaktoren wahrgenommen werden. Erkennbar sind auch hier vor allem die psychischen Belastungen wie Erschöpfung und schwer-abschalten-können und die Belastungen, die durch Bildschirmarbeit entstehen können wie Nacken- und Rückenbeschwerden oder auch Sehstörungen.

 

Direkte und indirekte Effekte von Stresssymptomen auf die Arbeitsleistung

Wichtig für den Arbeitgeber ist bei der Betrachtung der negativen Folgen von Stressbelastungen natürlich auch der Effekt auf die Arbeitsleistung. Hierbei lässt sich zwischen direkten und indirekten Effekten unterscheiden.

Der direkte Effekt ist, dass Stressoren, wie arbeitsorganisatorische Probleme oder Arbeitsunterbrechungen, unmittelbar die Arbeit erschweren oder sogar unmöglich machen, sodass die Arbeitsleistung sinkt. Studien ergaben, dass arbeitsorganisatorische Beeinträchtigungen in negativem Zusammenhang zur Arbeitsleistung stehen.

Indirekte Effekte können auftreten, da Stress Aufmerksamkeit bindet und mentale Kapazität beansprucht. Die Büroangestellten müssen dann einen Teil der ihnen zur Verfügung stehenden kognitiven Ressourcen aufwenden, um mit dem Stress umzugehen: Sie sind abgelenkt, müssen sich beruhigen und mit den aufgetretenen Stressemotionen umgehen.

 

Da die kognitiven Ressourcen eines Menschen begrenzt sind, verschlechtert sich die Arbeitsleistung als Folge von Stress: Wer gesund ist, erbringt gute Arbeitsleistung; beeinträchtigt Stress die Gesundheit, wirkt sich das wiederum negativ auf die Arbeitsleistung aus.

 

Was kann ein Unternehmen tun?

StresssymptomeTrotz all dieser Erkenntnisse ist es für den Arbeitgeber schwer, auftretende psychische Probleme zu erkennen. Es handelt sich oft um sehr komplexe Erkrankungsbilder und ein offener Umgang mit der Thematik fällt den meisten schwer. Beschäftigte, Personalverantwortliche und Führungskräfte fühlen sich daher häufig ratlos. Psychische Probleme müssen zudem nicht nur ausschließlich durch Belastungen am Arbeitsplatz entstanden sein, auch außerhalb der Arbeit gibt es belastende Ereignisse und Lebenssituationen. In Wechselwirkung mit Stress auf der Arbeit und einer bestimmten individuellen Verletzlichkeit einer Person, können so starke Probleme entstehen, die bei einem anderen Büroangestellten so nicht auftreten würden. Grundsätzlich kann jeder Mensch psychische Symptome entwickeln, wenn die gegebenen Bedingungen entsprechend hohe Belastungen verursachen. Wichtig sind in solchen Phasen die persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten.

Je nachdem wie die Angestellten die Probleme bewältigen, kann dies nämlich zu einer Verstärkung der Problematik führen. Die Stressbelastungen am Arbeitsplatz führen ohnehin schon zu psychischen Problemen. Dadurch, dass Stress das Gesundheitsverhalten der Angestellten zudem negativ beeinflussen kann, indem sie zur Kompensation ungünstige Verhaltensweisen wie Rauchen, Trinken, zu viel Koffein, ungesunde Ernährung usw. durchführen, verschlimmern sie die Situation noch weiter. Hierbei ist es wichtig, wie die Angestellten auf Stressbelastungen reagieren, denn jeder Mensch reagiert anders. Man geht aber beispielsweise davon aus, dass Menschen mit einem hohen Kohärenzgefühl in der Auseinandersetzung mit Stressoren weniger mit einem Risikoverhalten (wie Rauchen oder Trinken) reagieren, sondern angemessenere Bewältigungsmuster zeigen. Dies liegt unter anderem an den Widerstandsressourcen, die Menschen mit hohem Kohärenzgefühl aktivieren können.

Wie man diese Widerstandsressourcen erhöhen kann und die kunst mit stress umzugehen ganz kleinwelche nachhaltigen Strategien für einen besseren Umgang mit Stress es gibt, das beschreibe ich in diesem Buch.

 

Quellen:

Braun, B. & Müller, R. (2005). Belastungs- und Gesundheitssituation der Berufsgruppe Bürofachkräfte. In Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 35. St Augustin: Asgard Verlag.

Lohmann-Haislah, A. (2012). Baua Stressreport Deutschland 2012 – Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden. Dortmund, Berlin und Dresden: BAUA.

Seidler, A., Euler, U., Letzel S. & Nowak, D. (2015). Gesunde Gestaltung von Büroarbeitsplätzen. Arbeitsmedizinische Aspekte. Physikalische Einflussfaktoren. Gefahrstoffexposition. Organisationsformen. Landsberg am Lech: ecomed Medizin.

Sockoll, I. (2009). IGA Fakten 1. Psychische Gesundheit im Erwerbsleben. Essen: BKK Bundesverband.

 

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