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Wandel in der Arbeitswelt

Ist die Arbeitswelt im Wandel?

Viele Themen, die auf Gesundheit-managen.de besprochen werden, sind auch deshalb wichtig geworden, weil es in den letzten Jahren große Veränderungen in der Arbeitswelt gab und weiter geben wird. Da ich nicht nur sagen will, dass die Arbeitswelt im Wandel ist, sondern dies auch zeigen will, wird dieser Beitrag Dir beschreiben, wie der Wandel aussieht. Zugespitzt in einem Satz kann man die aktuelle Entwicklung der arbeitsweltbezogenen Erkrankungen so beschreiben: „Dienstleistung und Depression statt Industrie und Arbeitsunfall“.

 

Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft

Es ist zwar keineswegs der Fall, dass es keine Probleme mehr aufgrund körperlicher Belastungen gibt, tatsächlich hat aber die Entwicklung von einer Industriegesellschaft zur wissens- und kommunikationsintensiven Dienstleistungsgesellschaft die Belastungen in der Arbeitswelt immer mehr von physischen zu psychosozialen Belastungen hin verschoben. Während der technische Fortschritt zu einer Reduktion der körperlichen Belastungen sowie der Arbeitsunfälle geführt hat, haben die psychosozialen Belastungen im Zusammenhang mit Zeitdruck, Personalverknappung, Qualifikations- und Flexibilisierungserfordernissen oder Dienstleistungstätigkeiten sprunghaft zugenommen.

 

Veränderung: Immer mehr Menschen arbeiten im Büro

Mittlerweile arbeiten mehr als 50 % aller Beschäftigten an Dienstleistungsarbeitsplätzen und rund 40 % im Büro, was eineBüroarbeit Veränderung der Anforderungen an Arbeitstätige bedeutet. Im Dienstleistungsbereich ist der kommunikative Austausch ein wesentlicher Bestandteil. Interaktionen in diesem Bereich stellen hohe soziale und emotionale Anforderungen, die in Belastungen umschlagen können. Diese Veränderungen werden durch die rasante technische und digitale Entwicklung weiter vorangetrieben und verstärkt. Neue Technologien ebnen den Weg für eine Produktion, die weniger physische Arbeit verlangt und gleichzeitig die Beschäftigungsalternativen für Personen mit geringerem Ausbildungsniveau einschränkt.

 

Wandel bei Büroarbeit: Vor- und Nachteile von Home-Office

Gerade bei der Büroarbeit hat sich beim Paradigmenwechsel hin zur Wissensökonomie hinsichtlich Ort, Zeit und Struktur einiges verändert. War Büroarbeit früher geprägt durch „starre Arbeitszeiten, fixe Orte und zentralistische Unternehmensstruktur“, so gibt es heute durch mobile Informationstechnik eine Flexibilisierung dieser Parameter. Diese Entwicklung hat natürlich auch Vorteile für Arbeitnehmer. Ein Beispiel ist die Möglichkeit, Homeoffice zu betreiben, was viele Unternehmen ihren Angestellten an manchen Tagen anbieten, damit sie ihre Arbeit von zu Hause aus anstatt im Büro erledigen können. Dadurch fällt für Angestellte beispielsweise der Anfahrtsweg weg und sie können sich ihren Arbeitsplatz nach individuellen Wünschen und Bedürfnissen einrichten, was aber aus arbeitsmedizinischer bzw. ergonomischer Sicht häufig suboptimal ist. Mögliche Vorteile sind zudem, dass Störungen durch Kollegen im Büro sowie soziale Konflikte vermieden werden können und durch die Anwesenheit zu Hause, Beruf und Privatleben durch flexible Arbeitszeitgestaltung besser vereinbart werden können. Häufig kann diese Arbeitsform aber auch in sozialer Isolation und überlangen, unstrukturierten Arbeitstagen mit unregelmäßigen Pausen enden.

 

Problem E-Mail Kommunikation

Dabei ist auch die Belastung durch E-Mails als betriebliches Kommunikationsmittel nicht zu unterschätzen. Auf den ersten burnoutBlick scheint die Veränderung von postalischer Kommunikation zu elektronischer nicht so bedeutsam; die Informationsbelastung für Angestellte ist dadurch aber deutlich gestiegen. So gaben in einer Studie die Befragten an, dass die erhaltene Informationsmenge (81 %) und die Menge nutzloser Informationen (64 %) zugenommen habe sowie dass eine schnelle Reaktion auf E-Mails im Vergleich zur postalischen Kommunikation gefordert sei (61 %).

 

Ständige Erreichbarkeit

Im Zuge der mobilen Kommunikation ist auch das Thema Erreichbarkeit für viele Arbeitnehmer zum Problem geworden; ständige Erreichbarkeit außerhalb der regulären Arbeitszeit, sogar im Urlaub, ist heutzutage keine Ausnahme mehr. Der adäquate Umgang mit den gestiegenen psychischen Belastungen wird somit zunehmend in die Verantwortung der Arbeitnehmer übertragen, was ein gewisses Selbstmanagement bedeutet, wenn es beispielsweise darum geht, für Regeneration und Erholung zu sorgen. Andernfalls kann sonst durch den stetigen Wechsel von Arbeitszeiten, Arbeitsprozessen, Arbeitsumfang, Aufgaben oder Arbeitsorten die Gefahr einer Überforderung der Mitarbeitenden bestehen. Schon jetzt fällt es vielen Angestellten schwer, sich auf eine Aufgabe zu fokussieren, was durch das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben noch intensiviert wird und so vorhandene Stressbelastungen noch weiter verstärken kann, was das Entstehen psychischer Krankheiten begünstigt.

 

Globalisierung – Existenzangst

Ein weiterer Aspekt, der die heutige Arbeitswelt verändert hat, ist, dass durch die Globalisierung eine Verschärfung des Wettbewerbes entstand: Man steht nicht nur in Konkurrenz zu nationalen Unternehmen, sondern zur ganzen Welt. Um im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben zu können, wird Effizienz zur obersten Maxime. Diese Entwicklung stellt die Stabilität von Beschäftigungsverhältnissen immer mehr in Frage, wodurch Unsicherheit, Misstrauen und Hilflosigkeitsgefühle verstärkt werden und in der Folge die Angst vor Arbeitslosigkeit wächst. Bereits jeder zweite Angestellte hat laut zweier repräsentativer Umfragen des wissenschaftlichen Institutes der AOK Angst, den Job zu verlieren, was eine starke Belastung darstellt. Und häufig kommt es tatsächlich zu Rationalisierungen und Umstrukturierung. Die Angestellten, die nach einer solchen Rationalisierungswelle ihren Job behalten können, müssen danach häufig „mehr Arbeit mit weniger Ressourcen bewältigen“. Dadurch entsteht noch mehr Zeitdruck, die täglichen Arbeitszeiten verlängern sich und die Komplexität der Arbeit nimmt noch weiter zu und es kommt zu einer Verdichtung von Informationen, Arbeitsinhalten und -abläufen. Die Folge ist, dass sich in bundesdeutschen Unternehmen ein Drittel der Arbeitnehmer von Hektik, Zeitdruck, hohem Arbeitstempo und zu großen Arbeitsmengen stark belastet fühlt.

 

Dies alles zeigt, wie wichtig es in der heutigen Arbeitswelt ist, dass Angestellte ihre Belastungen und Möglichkeiten kennen. Das zu unterstützen sehe ich als eine Aufgabe von Gesundheit-Managen.de

 

Studien zur Arbeitswelt im Wandel

In diesem Abschnitt möchte ich Dir ein paar interessante Studien zeigen, welche die Folgen der von mir genannten Veränderungen in der Arbeitswelt gut darstellen:

In einer bereits 2005 durchgeführten Befragung zu Arbeitsbedingungen durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und des Bundesinstituts für Berufsbildung machten Belastungen durch physische Arbeitsbedingungen nur einen geringen Anteil unter den erlebten Arbeitsbelastungen aus; weniger als ein Viertel der Befragten nannte diese Belastung. Dahingegen stieg die Bedeutung der psychosozialen Faktoren. Diese Tendenz setzt sich im ebenfalls von der BAuA veröffentlichten Stressreport Deutschland 2012 fort. Darin gaben die befragten Angestellten an, sich vor allem „durch starken Termin- und Leistungsdruck (34 %), Arbeitsunterbrechungen und Störungen (26 %) sowie Multitasking (17 %) belastet zu fühlen“. Zu ähnlichen stressErgebnissen kommt auch die Studie der Techniker Krankenkasse zur Stresslage der Nation, in der aufgezeigt wird, „dass sich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer heute gestresster fühlt als noch vor drei Jahren. Im gleichen Zeitraum haben nach Einschätzung der Befragten stressauslösende Faktoren wie ein hohes Arbeitspensum, Termindruck und Informationsflut deutlich zugenommen“. Auch die Erwerbstätigenbefragung des Landesinstituts für Arbeit und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen fand heraus, dass sich die befragten Arbeitnehmer am häufigsten von hohem Zeitdruck (40 %), hoher Verantwortung (35 %) und Überforderung durch die Arbeitsmenge (30 %) belastet fühlen.

 

Hohe psychische Belastung

Laut dem von der BAuA veröffentlichten Stressreport Deutschland 2012 gibt es bei den psychischen Belastungen zwar nicht mehr solche erheblichen Steigerungen wie zwischen Ende der 90er und Mitte der 2000er Jahre, die Belastungswerte scheinen sich aber auf dem relativ hohen Niveau der 2000er einzupendeln. Nach der Studie haben sich allerdings in den letzten Jahren die Indikatoren für die längerfristigen Stressfolgen bei den Beschäftigten, wie die Anzahl der Beschwerden und die subjektive Einschätzung des Gesundheitszustands, verschlechtert. Dies galt für alle Altersgruppen, womit die Veränderung nicht nur auf das gestiegene Durchschnittsalter zurückzuführen ist. Die Studie konnte somit aufzeigen, dass diese Stressfolgen mit einschlägigen Belastungsfaktoren, wie beispielsweise Termin- und Leistungsdruck, einhergehen. Zudem konnte festgestellt werden, dass Beschwerden immer dann häufiger auftraten, wenn nur über wenige Ressourcen verfügt werden konnte. Bezogen auf die Arbeitsbedingungen und deren Stressfolgen kann man zwar bei einer solchen Querschnittsuntersuchung keine kausale Verknüpfung machen, es kann aber vermutet werden, dass es sich bei diesen Beschwerden um langfristige Auswirkungen ungünstiger – physischer wie psychischer – Arbeitsbedingungen handelt.

 

Fazit

Was Du hier auf jeden Fall mitnehmen kannst, ist die Tatsache, dass es für den Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und psychischen (wie auch körperlichen) Erkrankungen ausreichend empirische Belege gibt, und die Feststellung, dass sich dieser Wandel der Arbeit im Zuge der Globalisierung nicht mehr rückgängig machen lässt.

Dies ist auch einer der Gründe warum ich Gesundheit-Managen.de gegründet habe: zu zeigen, wie mit den Stressbelastungen, die wie dargestellt vorhanden sind, besser und sinnvoller umgegangen werden kann. Damit möchte ich Dir helfen, aber in gewisser Weise auch dazu beitragen, dass der Erhalt von Beschäftigungsfähigkeit wieder mehr gefördert wird.

 

 

Quellen:

Barthold, L. & Schütz, A. (2010). Stress im Arbeitskontext. Ursachen, Bewältigung und Prävention. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

 

Seidler, A., Euler, U., Letzel S. & Nowak, D. (2015). Gesunde Gestaltung von Büroarbeitsplätzen. Arbeitsmedizinische Aspekte. Physikalische Einflussfaktoren. Gefahrstoffexposition. Organisationsformen. Landsberg am Lech: ecomed Medizin

 

Spath, D., Bauer, W. & Braun, M. (2011). Gesundes und erfolgreiches Arbeiten im Büro. Berlin: Erich Schmidt Verlag.

 

BundesPsychotherapeutenKammer. (2013). BPtK-Studie zur Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Psychische Erkrankungen und gesundheitsbedingte Frühverrentung. Berlin: BPtK.

Lohmann-Haislah, A. (2012). Baua Stressreport Deutschland 2012 – Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden. Dortmund, Berlin und Dresden: BAUA.

Sockoll, I. (2009). IGA Fakten 1. Psychische Gesundheit im Erwerbsleben. Essen: BKK Bundesverband.

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Kommentare

Ergonomie am Arbeitsplatz – Alles nötige Wissen und die wichtigsten Tipps 15. Juli 2017 um 11:51

[…] bzw. Laptops sind ohne Zweifel sehr praktisch. In den letzten Jahren hat sich ein Wandel vollzogen und das Notebook hat sich immer mehr gegen Desktop-PCs durchgesetzt. Dies gilt zum Teil […]

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